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Liebe Hörer, Städte wie Kairo, Kalkutta oder auch Karatschi haben das gleiche Problem: eine hohe Bevölkerungsdichte und Energienotstand. Und sie haben die gleiche Chance, nämlich eine Wüste in der Nähe. Sie fragen sich sicherlich jetzt, was die Wüste mit der Stromversorgung zu tun hat? Die Wüste wäre der ideale Standort für das Aufwindkraftwerk, das der Stuttgarter Ingenieur und Dozent Jörg Schlaich entwickelt hat. Ein gigantisches Bauwerk! Eva Firzlaff hat nachgefragt, wie es funktioniert.

Das Stuttgarter Ingenieurbüro konstruiert normalerweise riesige Glasdächer und Kühltürme. Über den Sog, der in solchen Kühltürmen herrscht, kam der Bauingenieur Jörg Schlaich auf die Idee, mit diesem Sog Turbinen anzutreiben.

Also, wir nutzen die Tatsache, daß warme Luft in einer Röhre, in einem Kamin aufsteigt. Und wir nutzen diesen Aufwind in diesem Kamin, um Turbinen zu treiben, die in diesem Kamin eingebaut sind. Und wir beheizen diesen Kamin solar, indem wir um diesen Kamin herum ein großes Glasdach, ein Gewächshaus--wenn Sie so wollen--aufbauen, in dem bekanntlich bei Sonnenstrahlung die Luft warm wird und die dann zu dem Turm strömt und aufsteigt.

Vor zwanzig Jahren wurde ein kleines Versuchskraftwerk in Spanien gebaut, mit nur 50 Kilowatt Leistung. Dort wurde das Prinzip getestet. Jetzt denkt er an Anlagen mit 200 Megawatt Leistung; vier bis fünf in dieser Größe könnten ein großes Kernkraftwerk ersetzen.

Tatsache ist, daß wir relativ hohe Türme bauen müssen, relativ hohe Kamine bauen müssen, um wirklich einen guten Wirkungsgrad zu bekommen, um kostengünstigen Strom zu erzeugen. Und wir stellen uns durchaus Röhren von 1000 Meter Höhe vor und Vordächer mit einigen Kilometern Durchmesser, um dann 200/400 Megawatt Leistung zu bringen.

Ein riesiges, rundes Glasdach mit etwa 6 Kilometern Durchmesser. Man braucht also viel Platz und Sonne. 20   Für den indischen Bundesstaat Rajasthan ist ein solches Kraftwerk geplant, mit noch vier Nachfolgeprojekten. Diese könnten 10 Millionen Inder mit Strom versorgen. Zur Zeit sucht der dortige Investor nach zinsgünstigen Krediten. Die Wüste ist der ideale Standort: Sonne und Hitze am Tag und Kälte in der Nacht. Je größer die Temperaturdifferenz, um so stärker der Sog im Schlot. Der Schornstein soll am Fuß einen Durchmesser von etwa 150 Metern haben. Er wird ähnlich wie ein Kühlturm gebaut, nur eben viel höher.

Also Stahlbeton mal zuerst, weil das einfach das günstigste, billigste, dauerhafteste Material ist. Und da gibt’s dann sogenannte Kletterschalungen, die kontinuierlich nach oben wandern und mit Beton gefüllt werden; und dann bleibt ‘ne Röhre zurück. Wir müssen dafür sorgen, daß ein so hohes, großes Rohr nicht im Wind sich vereiert, ovalisiert, sondern daß die Rundheiterhalten bleibt, um damit ein günstiges Tragverhalten zu bekommen. Und da bauen wir in einigen Ebenen, also drei- bis viermal, sogenannte Speichenräder ein.


 
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